Du bist nur so gut wie dein Netzwerk.

Interview mit Timm Richter, Vorstand, XING AG

Herr Richter, warum sollte man Teil des XING-Networks werden?
Es gibt viele Gründe, Teil von XING zu sein. Da wäre zum einen das klassische Netzwerken: Neue und alte Kontakte finden, sich in Gruppen zu Fachthemen austauschen oder auf Offline-Events wichtige Kontakte knüpfen. Aber XING kann viel mehr: Der neue XING-Stellenmarkt beispielsweise bietet mit einer Mio. Jobs praktisch alle relevanten offenen Stellen im deutschsprachigen Raum. Außerdem ist er – im Gegensatz zu traditionellen Stellenbörsen – konsequent an den Bedürfnissen moderner Wissensarbeiter ausgerichtet und bietet neben klassischen Karrieremöglichkeiten etwa auch Teilzeitjobs oder solche für Sinnsucher. Oder nehmen Sie unser neues Produkt „Klartext“: ein journalistisches Format, bei dem Experten und bekannte Persönlichkeiten exklusiv Position beziehen und ihre Meinungen zu aktuellen Themen rund um Wirtschaft und Beruf kontrovers zur Debatte stellen.

Welche Eigenschaften machen einen guten Netzwerker aus?
Netzwerken ist ein Geben und Nehmen, reines „Kontaktesammeln“ funktioniert nicht. Ich rate Professionals immer, sich zunächst zu überlegen, was sie einem Kontakt bieten können. Erst dann können Sie erwarten, im Gegenzug von Ihrem Netzwerk zu profitieren.

Wonach wählen Sie persönlich Ihre Kontakte aus: Sympathie oder Nützlichkeit?
Mein Netzwerk setzt sich aus ganz unterschiedlichen Personen zusammen: aktuellen und früheren Kollegen, beruflichen Partnern, aber auch Freunden und Bekannten. Gerade diese Mischung macht die Dynamik aus. Netzwerke schaffen eine Vertrauensbasis. Ohne viele Mittler kann man schnell Kontakt zu jemandem aufnehmen, dessen Wissen und/oder Integrität man schätzt und auf dessen Rat man sich verlassen kann. Von meinem Netzwerk, das sich aus all meinen beruflichen Stationen Schritt für Schritt weiterentwickelt hat, profitiere ich bis heute.

Mal ehrlich, sind nicht Klüngel und Stammtisch die analogen Vorläufer der digitalen Networks?
Netzwerke haben im Grunde immer schon existiert. Allerdings war dieses „Vitamin B“ nur bestimmten Gruppen vorbehalten. Mit XING haben wir das „Vitamin B“ transparent gemacht.Es ist einfacher geworden, mit Menschen in Kontakt zu treten und den Überblick zu behalten. Im Gegensatz zur Generation unserer Eltern wechseln wir heute tendenziell häufiger den Arbeitgeber, viele gehen auch im Laufe ihres Berufslebens in die Selbstständigkeit. Eine Plattform wie XING hilft ungemein dabei, den Kontakt mit all den Menschen aufrechtzuerhalten, denen wir beruflich begegnen. Auch Studierenden raten wir daher, sich möglichst früh ein Netzwerk aufzubauen. Früher oder später wird man auf die Kontakte zurückgreifen.

Gibt es eine Relation zwischen der Aktivität im Netzwerk und dem Erfolg im Beruf?
Das ist natürlich in jedem Einzelfall unterschiedlich. Fakt ist aber, dass Sie Ihre Sichtbarkeit erhöhen, wenn Sie die Möglichkeiten, die das Netzwerk bietet, aktiv nutzen. Dreh- und Angelpunkt im beruflichen Netzwerk ist das eigene Profil – es ist Ihre Visitenkarte. Hier entscheidet sich beispielsweise, ob Personaler nur einen flüchtigen Blick auf Ihren Lebenslauf werfen oder mit Interesse Ihren Werdegang begutachten. Aber auch Geschäftspartner machen sich ausgehend von Ihrem Profil ein erstes Bild von Ihnen. Um XING aktiv für das Berufsleben zu nutzen, ist es darüber hinaus sinnvoll, über den Tellerrand zu blicken.

In welchem Social Network, außer XING, kann man Sie persönlich noch antreffen?
Ich nutze neben XING noch Facebook und Twitter.

Gibt es eigentlich einen Knigge für das Knüpfen von Kontakten?
Als Faustregel gilt: Verhalten Sie sich beim Kontakteknüpfen immer so, als würden sie einander persönlich gegenüberstehen. Sprechen Sie potenzielle neue Kontakte freundlich an und nehmen Sie kurz direkten Bezug darauf, warum Sie diese Person ansprechen. Gehen Sie auf Feedback ein, das Sie bekommen, und geben Sie dem Gegenüber die Möglichkeit, direkt mit Ihnen in Kontakt zu treten, online wie offline. Umgekehrt gilt: Sie müssen nicht jeden, der Sie anfragt, als Kontakt akzeptieren. Überlegen Sie auch hier, ob diese Person Ihr Netzwerk bereichert oder nicht. Sollten Sie sich dagegen entscheiden, geben Sie demjenigen eine kurze, freundliche Rückmeldung.

Darf man sich im beruflichen Netzwerk auch über private Themen austauschen oder nutzt man dafür besser Facebook und Konsorten?
Jeder muss für sich selbst entscheiden, wo er hier die Grenze ziehen möchte. Was man allerdings nicht aus dem Blick verlieren sollte: Bei XING ist man mit seinem beruflichen Ich unterwegs. Das sollte man in der Wahl der Themen und der Art der Kommunikation berücksichtigen.