München Macherei: In vielerlei Hinsicht einzigartig

Interview mit dem Architekten Fabian Ochs zum neuen Standort Design Offices München Macherei

25.01.2021

Auf einer Gesamtfläche von über zehn Fußballfeldern entsteht ein neues urbanes Büro- und Geschäftsquartier im Münchner Osten: Die Macherei. Die beeindruckende Industriearchitektur des Areals zeichnet sich durch raue Materialien und markante Silhouetten aus. In dieser Atmosphäre wird Kreativität gefördert und Raum zum Umdenken geboten. Es ist also nicht verwunderlich, dass Design Offices hier 2021 sein Portfolio in München mit einem weiteren Standort erweitert. Ein Gespräch mit einem der Architekten über Inspiration, New Work und das Gefühl, plötzlich vor einem Gebäude zu stehen, das man selbst entworfen hat.

Herr Ochs, was ist aus architektonischer Sicht das Besondere, vielleicht sogar Ungewöhnliche, an der Macherei?

Im Osten der Stadt, sozusagen in der Bronx von München, entsteht mit der „Macherei“ ein sehr lebendiges Quartier. Diese Gegend war zuvor recht öde, ohne Leben. Mit der „Macherei“ zieht eine bunte Nutzungsmischung in das Areal. Potentiale werden freigesetzt, es entsteht Leben im Viertel und das ist Garant für eine gute Entwicklung. Entscheidend dafür ist die architektonische, gestalterische und bauliche Qualität. Sie ist die Messlatte für ein erfolgreiches Konzept des Ganzen.
Fassade am Standort Design Offices München Macherei
Innenhof am Standort Design Offices München Macherei
Eatery am Standort Design Offices München Macherei

Woher haben Sie Ihre Inspiration für dieses Projekt genommen?

In der Anfangsphase haben wir uns an dem Meatpacking Destrict in New York orientiert. Das war ursprünglich ein einfaches, industriell geprägtes Quartier in Manhattan. Heute zählt es zu den angesagten Szenevierteln. Wie der Name es schon andeutet, war es ein Gewerbeviertel mit vielen Fleischverpackungsanlagen, erbaut in sehr einfacher Industriearchitektur mit Ziegelfassaden und hohen großen Fenstern für eine gute Lichtführung. Diesen Industrial-Style haben wir auch bei unseren Architekturen für die Macherei in die Gestaltung mit einfließen lassen.
Heute ist der Meatpacking District ein Must jeder New York Reise mit exklusiven Designerläden, hippen Restaurants und Clubs, dazu ausgefallenen Grünzonen. Der Meatpacking District ist gut durchmischt und dort haben sich viele Coworking Spaces und Start-ups niedergelassen – es ist ein stimulierendes Viertel und war ein guter Ausgangspunkt für die ersten Überlegungen zur Macherei. Auch das Umfeld der Macherei in München soll mit Street Art belebt werden. Das Projekt nennt sich Munich Art Destrict und wird ein offenes urbanes Museum.
Fabian Ochs ist Architekt mit Leib und Seele. Zusammen mit drei weiteren Kollegen bildet er die Geschäftsführung von OSA Ochs Schmidhuber Architekten. Nach seinem Architekturstudium in Stuttgart, New York und Zürich
folgten erste berufliche Stationen in Stuttgart und München. 2000 schließlich gründete er mit Florian Schmidhuber sein eigenes Büro OSA Ochs Schmidhuber Architekten in München. Seitdem widmet er sich nicht nur mit großer Hingabe den übergeordneten städtebaulichen Themen Münchens, sondern baut zusammen mit seinem Team auch außergewöhnliche Bürowelten.

Aus Architekten-Sicht: Was sind denn die heutigen Anforderungen an moderne Bürogebäude?

An erster Stelle steht in ganz hohem Maße die Flexibilität der Nutzung, dazu eine gute Drittverwertungsmöglichkeit der Architektur. Es muss Angebote für die Nutzer geben, die über herkömmlichen Arbeitswelten hinausgehen. Das sind zum Beispiel angenehme Kommunikationsflächen, um den Austausch zwischen einzelnen Unternehmen zu fördern. Dachterrassen mit Raum für Urban Gardening sind beliebt, Lounges, Höfe und Plätze für Events gehören auch dazu. Den Nine-to-five-Job wird es in Zukunft nicht mehr geben. Deshalb ist es wichtig, dass sich Menschen in den heutigen und zukünftigen Arbeitswelten gut fühlen, sich entfalten können und gerne lange dort verweilen. Das schafft zudem ein Mehr an Identifikation des Menschen mit dem Ort, seinem Arbeitsplatz und seiner Arbeit.

Können uns Gebäude zu besserem Arbeiten helfen?

Ja, auf jeden Fall. Wenn Menschen sich wohlfühlen, leben und arbeiten sie besser. Ein Quartier, in dem sich Menschen gut fühlen, ist auch ein Second Home. Dort bleibt man gerne länger. Ein monostrukturelles Viertel wird das Menschen nicht bieten können. Wichtig sind Einrichtungen wie Restaurants, Coffeeshops, Bars, Fitness- und Wellness-Center, Übernachtungs- und Einkaufsmöglichkeiten. Dann wird das Quartier zu einem kleinen Kosmos, einer Welt für sich, die in sich funktioniert.
Fassade des Standorts Design Offices München Macherei
DO Lounge am Standort Design Offices München Macherei
Innenhof am Standort Design Offices München Macherei

Was bedeutet für Sie persönlich New Work?

Für mich hat New Work heute den vollen Fokus bei der Konzeption von Arbeitswelten. Mit New Work bündeln sich die innovativen Kräfte, mit New Work entsteht die Arbeitskultur unserer Zukunft.

Nach dem Atlas ist die Macherei nicht Ihr erstes Gebäude, in das wir mit unseren flexiblen Arbeitslandschaften einziehen. Warum passt Ihre Architektur und der Design Offices Anspruch an moderne Bürogebäude so gut zusammen?

Ich denke, wir haben eine ähnliche Auffassung von Arbeitswelten und von dem Weg, den wir in Zukunft gehen müssen. Design Offices ist ein Unternehmen, das immerfort über das Thema Arbeitswelten nachdenkt. Es hat tolle Konzepte und Interiors für den mixed style in der Arbeitswelt entworfen, dazu immer standortbezogen eingerichtet, es mit seinen Strukturen und Ansätzen verstanden, die Arbeit von Morgen zu definieren. Die Resultate sind großartig! Design Offices hat eine Bürowelt geschaffen, die mich auch an die Hotelwelt erinnert, also an Orte, an denen man gerne länger bleibt und an die man gerne wieder zurückkommt.
Rooftop Lounge am Standort Design Offices München Atlas

Was ist das für ein Gefühl, vor einem fertigen Gebäude zu stehen, welches von Ihnen entworfen wurde?

Unsere Arbeit an Design Offices München Macherei dauert nun rund fünf Jahre. Wenn eine solche Architektur gebaut ist, steht man als Architekt vor seiner Realität gewordenen Idee. Erreicht hat man das durch das Dirigieren eines großen Teams und vieler Menschen, von den Architekten und Planern über den Bauleiter bis hin zum Handwerker.
Steht man schließlich vor der Architektur, so ist das ein sehr gutes, befriedigendes Gefühl. Aus der Idee, aus den Zeichnungen und Plänen, Berechnungen und Kalkulationen ist dann tatsächlich etwas ganz Neues entstanden, ein neuer Stadtbaustein. Den kann man nun übergeben, an den Bauherrn, die Mieter und Nutzer, die in ihm ihre Lebenszeit verbringen, an das breite Publikum, das ihn jeden Tag innerhalb des Stadtgefüges sieht. Ein Quartier wie die Macherei hat großen Einfluss auf das städtische Leben und die Menschen in der Stadt. So bedeutet Bauen immer auch Verantwortung.

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